Author Archive for Bjoern Negelmann

Was sind die Entwicklungen bei Fashion 2.0?

Das nächste Fashion Commerce FORUM steht vor der Tür (sprich im September!) und daher darf ich mich mal wieder mit der Fragestellung beschäftigen, welche Entwicklungen es in diesem Bereich gibt. Jochen Krisch gibt dabei in seiner Zusammenfassung zum letztjährigen Event die grundlegenden Entwicklungslinien vor, die auch nach wie vor immer noch aktuell sind:

  • Strukturwandel 1: Herstellermarken steigen (wieder) in das E-Commerce ein
    Lange Zeit ließ man dem Handel den Vortritt bei der Kundenansprache im Internet. In sozialen Netzwerken müssen die Herstellermarken aber direkt ansprechbar werden, sonst haben sie keinen EInfluß über das Gesagte und Nicht-Gesagte. Allerdings versteht es der Kunde auch nicht, wenn der Hersteller bei der reinen Kommunikation und Interaktion stehen bleibt und honoriert immer wieder Hersteller mit direkten Bezugsquellen in den sozialen Netzen. Diese und andere Gründe drängen die Herstellermarken zur (Wieder-)Aufnahme von E-Commerce-Aktivitäten.
  • Strukturwandel 2: Pure-E-Commerce’ler setzen verstärkt auf Eigenmarken
    Je mehr die klassischen Herstellermarken im Netz die Vertriebshoheit des Handels unterlaufen, je mehr engagiert sich der Handel mit Eigenmarken im Netz. Dies gilt insbesondere für die Pure-E-Commerce’ler.
  • Strukturwandel 3: Neue Plattformen verstehen sich als Dienstleister
    Plattformen wie Smatch, Stylelight, Polyvore verstehen sich zunehmend als Dienstleister für den Online-Handel. Ihre Dienstleistungsfunktion liegt in der Intermediation zwischen Kunden und Händler/Hersteller und der Unterstützung bei der Nachfragegenerierung, Sortimentsgestaltung oder gar der Risikoreduktion (durch vollkommene Übernahme des Fullfillment).

Neben diesen drei grundlegenden Trends sehe ich noch zwei weitere Aspekte:

  • Strukturwandel 4: Vom Point of Purchase zum Point of Recommendation
    Was bisher über institutionalisierte Medien und Hersteller-initiiertes Marketing ausgelöst wurde, ist in Zeiten von Social Media in den Händen der sogenannten Fashion Afficionados oder auch Fashion Peers. Hierunter sind die hochvernetzten MeinungsführerInnen zu den jeweiligen Themen in den sozialen Netzwerken. Sie bestimmen zunehmend, was der Konsument kauft, denn durch ihre Authenzität und Glaubwürdigkeit nehmen sie dem Konsumenten Unsicherheiten und dienen als Entscheidungshilfen. Kaufentscheidungen werden in diesem Kontext zunehmend schon einen Link entfernt vom “Point of Purchase” (was die Bestellseite auf der Hersteller-/Händler-Seite darstellt) am sogenannten “Point of Recommendation” getroffen.
  • Strukturwandel 5: Vom Erlebnis des Produktes zum Erlebnis des Produktkaufs
    Konzepte wie Woot!, Groupon oder die diversen Shopping-Clubs machen es vor - in gesättigten Märkten geht es nicht mehr nur um die Bedürfnisbefriedigung durch ein bestimmtes Produkt bzw. Leistungsbündel, sondern bereits um die Bedürfnisbefriedigung im Rahmen des Kauferlebnisses. Und das soziale Internet bietet hierfür vielfältige Facetten für die Ausgestaltung - von der Online-Verkaufsinszenierungen aufgrund einer künstlichen Verknappung über den Gemeinschaftskauf bis zum Kauf-Wettbewerb ist alles möglich und wird von den Effekten des Echtzeit-Webs unterstützt.

Gibt es weitere Aspekte, die ich hier - insbesondere für die Fashion-Branche - übersehen habe? Welche interessanten Fallbeispiele gibt es, die diese Punkte untermauern? Das sind die Fragen, die mich nun weiterbeschäftigen und die ich gerne auch hier in den “Raum” stellen möchte (in der Hoffnung, dass sie gehört und kommentiert werden …).

Multi-Channel-Marketing-Gedanken - am Anfang oder am Ende?

Die Online Strategie WORLD als dritte Veranstaltungsinitiative der Kongress Media fristet nach wie vor ein Schattendasein - dies wirkt sich leider auch immer wieder auf dieses Blog aus, als da nicht genug Aufmerksamkeit auf eine anhaltende Diskussion gelegt wird. Nun wollen wir das aber mal wieder etwas “re-animieren”. Nicht zuletzt aufgrund des neuen Veranstaltungsformates der “Digital Marketing AKADEMIE” und der Commerce-orientierten Veranstaltungen wie z.B. dem Fashion Commerce FORUM im Herbst werden wir in den kommenden Wochen und Monaten das Engagement an dieser Stelle wieder etwas erhöhen. Im Mittelpunkt steht für mich dabei die zu diskutierende Fragestellung, wie lassen sich innovative und ganzheitliche Digital-Marketing-Strategien umsetzen.

Ein Schlagwort, was mir dabei immer wieder “vor die Füße geworfen” wird, ist das Thema “Multi-Channel-Marketing”. Klassisch aus der Eckes des Handelsmarkting kommen (siehe Wikipedia-Definition) hat der Begriff “Multi-Channel” in Zeiten von Social Media, verteilten Netzwerken, Online und Offline, Websites und Apps einen neuen Begriffskontext bekommen. So auch jüngst in einem Vortragsvorschlag von SapientNitro:

Multi Channel-Marketing ist momentan in aller Munde und zweifellos auf bestem Wege, eines der Hype-Themen 2010 zu werden. Nur: Multi Channel-Marketing bedeutet heutzutage oft nicht mehr, als mit Konsumenten über unterschiedliche Kanäle zu kommunizieren und Produkte auf diesen zu promoten. Selten noch gilt es als echte Disziplin. Doch genau diese Sichtweise ist nötig, um lange anhaltende und intensive Beziehungen zwischen Marken und Konsumenten zu schaffen.

Unternehmen können sich dieser Herausforderung nicht länger verstellen. Neue Technologien haben Kunden in die Lage versetzt, eine Marke heute ganz anders wahrzunehmen. Ob im Shop, auf der Webseite oder über mobile Angebote: Jeder Kontakt mit der Marke trägt zu ihrer Gesamtwahrnehmung bei. Ist diese für den Kunden nicht stimmig oder fühlt er sich nicht richtig verstanden, ist der Wechsel zum Konkurrenten nicht schwer.

Wie aber können Marken konsistenter auftreten? Wie schaffen sie es, mittels Apps, Augmented Reality und Co. Kunden echte Mehrwerte zu schaffen? Was bedeutet ein integrierter Multi-Channel-Marketing-Ansatz für eine Marke und welche Rolle kommt dabei dem Marketer zu?

Ehrlich gesagt, sehe ich die langfristige, strategische Notwendigkeit dieser Denkweise - aber ich denke, dass die Unternehmen heute noch nicht dort angekommen sind und erstmal doch mit den Einzeldisziplinen “herumexperimentieren” müssen - sprich sie müssen die Conversion-Rate optimieren, die Display-Kampagnenplanung meistern, die sozialen Medien verstehen, monitoren und ausprobieren. Wenn ich dann in diesen Einzeldisziplinen gut unterwegs bin, dann sollte ich mich schleunigst auch dem Überbau widmen - aber anders herum führt es IMHO zum planerischen “Wasserkopf”, der mich nicht weiterbringt.

Freue mich über eine kontroverse Diskussion.

Web Intelligence - Quo vadis?

Mit dieser Frage darf ich mich derzeit mal wieder beschäftigen, denn das Web Intelligenz FORUM 2010 steht vor der Tür und will inhaltlich ausgestaltet werden. Nun müssen wieder einmal Themen her, die die wesentlichen Fragestellungen der Verantwortlichen in diesem Bereich adressieren.

Nachfolgend ein drei Punkte, die mir bei einer kurzen Recherche heute hierzu aufgefallen ist:

  • Web-Erfolgsanalyse immer noch nicht strategisch verstanden - Wir hatten es bereits beim ersten WIF ausführlich besprochen, aber es scheint immer noch viel Aufklärungsbedarf dahingehend zu geben, dass die Web-Erfolgsanalyse eine strategische Bedeutung für die Internet-Aktivität hat und mit den entsprechenden Methoden und Steuerungsinstrumenten in die strategische Planung eingebunden ist. Eine wichtige Fragestellung hierbei ist weiterhin, was die richtigen Prozesse und organisatorische Einbindung sind. Hierzu ist ein interessanter Podcast von Lars Johannson anzuführen: Web-Analytics in Europe
  • Optimierungszielsetzungen sind wichtige Thementreiber - Wie schon im ersten Punkt angedeutet, wird das Thema immer noch eher punktuell (statt als kontinuierlicher Prozess) gesehen. Hiermit einhergehend ist dann, dass das Thema immer stark an Bedeutung gewinnt, wenn ein Relaunch für die Internet-Aktivität geplant ist.
  • Wandel von Owned zu Earned Media - Das Web 2.0 fordert auch seinen Tribut an die Web-Erfolgsmessung; denn im Web 2.0 Umfeld finden die Aktivitäten nicht mehr nur auf eigene Sites statt, sondern (dezentral) an verschiedenen “Plätzen” im Web. Siehe hierzu auch den Beitrag von Daniel Goodall. FÜr die Web-Erfolgsmessung stellt sich hierbei die Frage, was sind die KPIs und Methoden zur Messung der Aktivitäten im Social Web. Oliver Schiffers hat hierzu ein paar interessante Gedanken verfasst.

Soweit mal meine ersten Gedanken - da ich hier noch ziemlich “im Regen” stehe, freue ich mich über jeden Kommentar und Hinweis.

Status-Quo zum Thema “Web-Analytics” - Interview mit Oliver Schiffers

Nur noch wenige Wochen bis zum ersten Web Intelligence FORUM - Grund genug, um noch ein paar Interviews nachzulegen. Nachfolgend ein schriftliches Interview mit Oliver Schiffers; Head of Analytics bei Sapient.

1) Hr Schiffers – sie gehören zu den “alten Hasen” im deutschen “Web Analytics”-Beratungsmarkt, sind derzeit als Head of Analytics bei dem Beratungshaus Sapient beschäftigt und Regional Coordinator Northern Europe der Brancheninitiative “Web Analytics Association”. Wie schätzen Sie die Situation beim Thema “Web Analytics” in Deutschland ein?
Alter Hase gefällt mir besser. In Stockholm wurde ich bei der IMC als Heavy-Weight angekündigt :) Die Situation bei Web Analytics in Deutschland: Aus meiner Sicht erfreulich und immer noch aufregend. Das Thema hat sich in so viele Bereiche hineinentwickelt, dass man ihm seine Bedeutung gar nicht mehr absprechen kann. Aus Agentursicht ist ein Zusammenwaschsen von Online Marketing Controlling, Integration mit Usability und Experience Analysis Competitive Analytics und Brand Reputation zu beobachten. Aus Business Sicht werden finanzielle KPIs auch für den Online Bereich immer relevanter, so dass auch Stakeholder aus Finance und Management sich mit dem Thema befassen. Es wird also endlich wieder aus dem reinen Marketing-Fokus herausgehoben. Aus Kommunikationssicht gewinnt die Gesamtplanung aller Kanäle an Bedeutung, ebenso wie die zusätzliche Analyse von Tonalitäten und Konversationen, die Anregungen für die eigene Kommunikationsstrategie bringen. Aus CRM Sicht wird die Integration anonymisierter Nutzerssegmente zu den internen Daten immer wichtig und aus Marketingsicht möchte man sich endlich von den 37 Datentöpfen für Affiliate, Display, SEM, SEO, Teasern und anderer Kampagnen verabschieden und aus integrierter Sicht vergleichen und optimieren.
2) In welchen Unternehmen wird das Thema “Web Analytics” ernst genommen und woo ist das Thema in diesen Unternehmen aufgehängt?
Die Antwort wäre zu lang zum tippen und läßt sich auch weder in Bezug auf Branchen, noch auf Abteilungen schon auf eine eindeutige Formel bringen, daher nur soviel: Das erfreulichste Ergebnis der letzten Monate war ein gewonnener Pitch, nicht als Interaktivagentur, sondern als Measurement und Analysis Agency. Deren Aufgabe ist es, mit allen involvierten Abteilungen des Kunden und allen beauftragten Agenturen aus Marke und Online die gesamte interaktive Strategie kontinuierlich zu hinterfragen, Ziele zu definieren, zu analysieren und zu optimieren.
Unternehmen die so vorgehen, nehmen das Thema ernst, hängen es breit genug auf. Daher wird auch die Tätigkeit als Measurement & Analysis Agency in Zukunft einen Kernpunkt unserer Angebotes im Bereich Analytics darstellen, den wir auch in echter Breite mit Experten aus dem Bereich User Research, Technology, Usability und Business Consulting in der notwendigen Breite und Tiefe abbilden können.
3) Ein Interview mit Frank Reese zu einer von ihm durchgeführten Online-Umfrage ergab, dass das Thema “Web Analytics” zumeist nicht strategisch verstanden wird. Sehen Sie das auch so?
Es hängt tatsächlich von den involvierten Abteilungen ab: Meistens ist das so, erfreulich oft jedoch nicht, und es ist auf jeden Fall im Wandel begriffen. Es gibt einfach zuviele Player im Bereich der Agenturen, Vermarkter, Affiliates und überall sonst, die irgendwie Reporting machen und einige der Basisfragen beanworten können. Daher wird das Thema zumeist dann nicht strategisch angegangen, wenn nur das Online Marketing involviert ist, oder die Einführung einer Analytics Lösung eben nicht von einer strategischen Beratungsleistung begleitet ist.
Dazu gibt es manchmal noch Überschneidungen zu Agentur- und Marketingleiterkompetenzen, die eine effektive Analyse und Optimierung leider manchmal auch an der Angst vor dem Verlust der jeweiligen Deutungshoheit scheitern lassen. Strategisch wird es jedenfalls wiederum, wenn ich als Entscheidungsträger im Online Bereich nicht nur Software installieren und KPI Workshops durchführen lasse, sondern die Notwendigkeit einer internen oder externen Kontroll- und Optimierungsinstanz sehe und angehe.
4) Worin liegen die wesentlichen Beratungsprobleme in Ihren Projekten bei Sapient?
Wir bewegen uns nicht in klassischen Implementierungs- und Reportingprojekten, wie ich sie aus meinen vorigen Stationen kenne, sondern in völligem Neuland, wie Viral und Video Analytics und der Standardisierung von verstreuten und nicht standardisierten Messverfahren und - ergebnisse in grossen Online Marketing Umgebung. Die Probleme sind jedoch die gleichen geblieben: Zu oft fehlende Budgets und damit automatisch mangelnde strategische Bedeutung, viel zu viel operative Quickwins und fehlende personelle Resourcen und Motivation.
Übrigens bin ich froh, dass Du im Interview noch Web Analytics sagst. Web Intelligence gefällt mir eigentlich gar nicht, vor allem weil der Begriff bereits durch Business Objects belegt ist und nicht nur dadurch zu nah am klassischen Reporting ist. Ich denke, wir brauchen diese anbiedernde Änderung der Bennenung in die Nähe einer bestehenden und schon etablierteren Branche nicht, zumal ja auch wirklich schon genügend synonyme Begriffe für unseren Arbeitsbereich vorhanden sind.
5) Seit Neuestem beschäftigen Sie sich ja auch intensiv mit dem Thema Social Media Measurement. Worin liegt dabei das Problem im Vergleich zur klass. Web Analyse?
Zuerst einmal der angenehme Teil der Antwort: Wir haben hierbei die Möglichkeit uns mit der Wirkung und den Voraussetzungen relevanter Kommunikationsformen zu beschäftigen, noch viel mehr als beim Targeting, was ja oft nur ein Verkaufs- und Pricing-Vehikel für klassische Marketingstrukturen ist. Daher bin ich auch kein Freund davon, dem Social Media Measurement jetzt einfach die klassischen Methoden der Zielgruppenanalyse, Werbeerinnerug und anderer klassischer Methoden zu stülpen, die dann doch wieder nur Instrumente der monologischen Streuverlustvermeidung sind.
Die nächste für mich wichtige Erkenntnis der Beschäftigung mit diesem Thema: Viele Methoden, die bei wirklich konstruktivem Einsatz von Web Analytics immer wichtiger geworden sind, wie Segmentierung und Taxonomien sind im Social Media Measurement geradezu unverzichtbar. Ein Problem stellen wie in den ersten Stunden von Web Analytics auch, fehlende Standards und technische Unzulänglichkeiten dar, ebenso wie mangelnde Strategien und Best-Practices der zu messenden Initiativen und damit fehlende Zieldefinition und Erfolgsfaktoren. Aber auch daran wird gearbeitet.

Interview mit Frank Reese, Ideal Observer

Den Auftakt unserer Interview-Reihe macht Frank Reese von Ideal Observer. Er ist Berater und beschäftigt sich vor allem mit dem Tool-Vergleich und der Auswahl des geeigneten Web-Analytics-Werkzeuges. In unserem Interview haben wir über den Status-Quo, seine Umfrage, das Technologieangebot und die “richtige” Auswahl des Werkzeuges gesprochen.

(Sorry für das Fenster im Video - aber wir hatte kleinere Tonprobleme und da hatte ich in der Aufnahme etwas nachjustiert - dabei aber das Fenster nicht verschoben!)
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Start einer Interview-Reihe zum Thema “Web-Analytics”

Das Web Intelligence FORUM sehen wir als eine Veranstaltung für den Erfahrungsaustausch unter “Peers” - da aber im Rahmen eines Tages gar nicht alle “Peers” zu Worte kommen können, haben wir uns vorgenommen, bereits im Vorfeld zur Veranstaltung auf diesem Blog ein paar Interviews mit Experten und Anwendern zu machen. Die Interviews erfolgen schriftlich oder per Video-Aufnahme.

Über den letzten Stammtisch der XING-Gruppe “Web Analytics Deutschland” habe ich bereits einige Personen angesprochen und Interviews vereinbart - für weitere Vorschläge bin ich aber jederzeit offen (einfach per Kommentar hier melden!).

Warum Web Intelligence FORUM und nicht Web Analytics FORUM?

Mit der Idee, eine Veranstaltung rund um das Thema “Web-Erfolgskontrolle” aufzusetzen, gingen wir bei Kongress Media schon eine ganze Zeit lang “schwanger gegangen”. Es brauchte dann auch mehrere Anläufe um diesen Event nun endlich auf die Beine zu stellen - so hatten wir bereits Planungen für einen Event im Juni 2008 und Oktober 2008 laufen. Beides zerschlug sich, weil nicht ausreichend Fallstudien für das Programm gefunden werden konnte. Nun allerdings - habe wir nach unserer Ansicht ein ganz ordentliches Programm zusammenbekommen - und ein Dank hierfür gebührt u.a. auch den Empfehlungen und Gesprächen mit mehreren deutschen Web Analytics/Web Controlling-Experten (in Person von Thomas Brommund, Wolfgang Büscher, Peter Gentsch, Sven Gerber und Oliver Schiffers).

Während die ersten Event-Planungen allerdings noch unter dem Titel “Web Analytics FORUM” liefen - sind wir nun beim Titel “Web Intelligence FORUM” gelandet. Welche Gedanken dieser Namensänderungen zugrunde liegen, habe ich in dem Hintergrundtext zur Veranstaltung dargelegt:

Online fordert ein neues Verständnis von der Web-Erfolgskontrolle

Online ist für viele Unternehmen ein zunehmend wichtiger Wertschöpfungskanal. Sei es zur Kontaktgenerierung, zur Kundenkommunikation, zur Kaufabwicklung oder für die Servicebereitstellung - der Ressourceneinsatz in diesem Bereich muss ständig verfolgt und optimiert werden. Denn im steigenden Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Online-Nutzer braucht es professionelle Management-Konzepte für die Online-Aktivität, um erfolgreich zu sein. Die strategisch-orientierte Erfolgsmessung und -steuerung der Online-Aktivität bildet dabei den Grundstein für einen ständigen Optimierungsprozess.

Ein solcher Ansatz bedarf eine in zweierlei Hinsicht ganzheitliche Sichtweise auf die Online-Aktivität. Zum einen muss der Ansatz über das klassische Reporting der Online-Nutzung hinausgehen und eine integrierte Sicht auf die Kundeninteraktionen bieten. Zum anderen muss die Web-Analyse mehr als nur die Online-Nutzungsdaten berücksichtigen. Welche Herausforderungen und Erfolgspotentiale derartige Ansätze innehaben, ist Gegenstand des Web Intelligence FORUMs.

Also im Kern geht es uns dabei darum, dass Online für viele (aber natürlich nicht alle) Branchen wichtiger wenn nicht sogar am Wichtigsten geworden ist - und einen substantiellen Beitrag zur Unternehmenswertschöpfung leistet. Dabei geht der Beitrag über die klassischen Punkte wie die Generierung eines Kundenkontaktes oder eines Online-Kaufes weit hinaus. Als komplementär integrierter Kanal leistet Online heute vielfach zudem seinen Beitrag in der Qualifizierung des Kunden durch sein Online-Informations- und Entscheidungsverhalten, in dem gewonnenen Kundenfeedback im Rahmen partizipativer Konzepte oder gar in der selbständigen Problemlösung von Anwendungs- bzw. Gebrauchsproblemen des Produktes. Bei all diesen erweiterten Nutzenszenarien kann und darf Online nicht mehr singulär, sondern immer integrativ betrachtet werden. Und das bedeutet auch, dass die Erfolgskontrolle nicht mehr “nur Online-Nutzungs-zentriert” erfolgen darf, sondern einen erweiterten Blickwinkel haben muss. Sowohl im Hinblick auf die berücksichtigen Daten als auch die Implikationen, die aus der Analyse gewonnen werden.

Schaut man nun auf die klassischen Begrifflichkeiten der Web-Erfolgsmessung wie “Web-Statistik”, “Web-Controlling” oder “Web-Analytics”, so greifen die Begriffsdefinitionen an dieser Stelle vielfach zu kurz - deshalb haben wir die Veranstaltung - nicht zuletzt auch durch den Hinweis von Sven Gerber - unter den Titel der “Web Intelligence” gestellt. Dabei wollen wir hier keine neue Begriffsbildung betreiben, sondern nur in Bezug auf die Veranstaltung eine Spezifizierung vornehmen.

Ich freue mich über ein Feedback.

Kommentar zu den 7 Thesen von Thomas Brommund

Beim Herumsurfen ist mir heute noch das Blog “SmartMetrics” des Teams vom Unternehmen “ContentMetrics” in die Hände gefallen - was mir in meiner bisherigen Liste noch fehlte. Beim Stöbern der Artikel ist mein Augenmerk auf den Artikel “7 Thesen für die Zukunft der Web Analytics” von Thomas Brommund gefallen, zu dem ich einige Anmerkungen habe:

  • In den Thesen 1-3 definiert Thomas Brommund unterschiedliche Szenarien über die Entwicklung des Bereichs “Web Analytics” in den Unternehmen. Mir stellt sich hierbei die Frage, ob die Entwicklungen nicht stark von der Branche bzw. dem Wirtschaftsbereich abhängig ist. Letztendlich hat doch Online in E-Commerce-Unternehmen eine andere Bedeutung als im Investitionsgüterbereich. Während bei Ersterem das Unternehmen und seine Wertschöpfung als Ganzes nahezu in der Online-Welt abgebildet werden kann, werden auch mit dem weiteren Bedeutungszuwachs des Internet im Investitionsgüterbereich die Unternehmenswertschöpfung von der Online-Wertschöpfung in großen Teilen divergieren. Letzteres wird sich in diesem Bereich wohl vorwiegend auf die Kundenbetreuungs- und -serviceaktivitäten beschränken. Sicherlich bedarf es auch hier integrierter Online- und Offline-Auswertungen, aber jeweils in unterschiedlichen Kundenlebenszyklus-Phasen.
  • Bzgl. der These 5 kann ich die Aussage über die “Kommoditisierung” des Software-Bereiches durchaus unterstreichen - in der Folge stelle ich mir aber die Frage, ob es statt dem “Kompetenzrufes” nicht zu einer Öffnung und Standardisierung des Marktes kommt - wie es halt auch in anderen Systemmärkten der Fall ist. Ich denke, kein Entscheider wird in Zukunft in 1-2 Jahreszyklen die Systeme komplett auswechseln wollen, sondern auf einer Anwendungsplattform mit neuen Ergänzungen - evt. auch von Drittanbietern - sein Projekt weiterentwickeln.
  • Bei der These 7 würde ich noch die “Hoffnung” ergänzen, dass mit dem Aufbau von Web Analytics-Kompetenz auch eine Veränderung im Verständnisses dieser Anwendung einhergeht. Denn wir auf dem XING-Gruppenstammtisch diskutiert, kann nur ein stärkeres strategisches Verständnis im Hinblick auf eine kontinuierliche Verbesserung der Online-Wertschöpfung die wirklichen Potentiale dieses Bereiches ausspielen.

Soweit zu meinen zwei Cents - freue mich auf Feedback.

Vom Datenfriedhof zum Steuerungsinstrument

So lautet der Titel einer Präsentation von Jürg Stuker von namics, welche sich schon etwas “angestaubt” hier in seinem Blog findet. Da heisst es, bei Web Analytics geht es um die “integrierte Erfolgsmessung entlang der Wertschöpfung” - sprich die Web-Analyse darf nicht an der Auswertung der Seitennutzung stehen bleiben, sondern muss die darüber entstandene Wertschöpfung erfassen. Und hierfür bedarf es einer Integration weiterer geschäftsrelevanter Daten.

Ich glaube, ich werde mal mit Jürg Stuker ein Skype-Interview machen und mir ein Update zu diesem Aspekt holen. Stay tuned!

Thesen zum Thema “Web-Analytics”

Wer beim Internet World Kongress im Oktober in München dabei war, der hat vielleicht mein Diskussionspanel zum Thema “Web Analytics” besucht. Dort habe ich mit vier Experten über den Status-Quo dieses Themas gesprochen. Als Vorbereitung und Begleitung der Diskussionsrunde hatte ich ein paar Slides zusammengestellt, die auch ganz gut an diese Stelle passen.

[slideshare 003webanalytics-1224745455799728-8]